• Egal, ob legal oder illegal, Hauptsache Velo

Egal, ob legal oder illegal, Hauptsache Velo

15.07.2021 Albert Leiser

Zu sagen, ich sei mit Spannung in die gemeinderätliche Debatte über den kommunalen Richtplan Verkehr gegangen, wäre übertrieben. Das Ergebnis stand ja eigentlich schon vorher fest.

Wer gehofft hatte, Rot-Grün würde wenigstens in Details die Hand zu Kompromissen reichen, sah sich enttäuscht. Der letzte Zeuge einer Verkehrspolitik, die sich bemüht, allen Bedürfnissen von Stadtbewohnern, Gewerbetreibenden, Geschäften und und und einigermassen gerecht zu werden, der Parkplatzkompromiss, wurde nach 25 Jahren geopfert. Hatte die stadträtliche Vorlage mit einer Untergrenze noch versucht so zu tun, als komme man der Gegenseite entgegen, strich der Gemeinderat diesen Passus, damit auch wirklich jedermann klar sei, wer das Sagen hat. 

Geht es nach Rot-Grün muss das Auto möglichst aus der Stadt verschwinden und dem Velo Platz machen. Wen überrascht es da noch, dass die unbewilligten Demonstrationen von „Critical Mass“ ohne mit der Wimper zu zucken als ‚spontanes Verkehrsaufkommen von Velos‘ geduldet werden? Schliesslich unterstützt diese illegale Minderheit mit ihren Aktionen die legale Mehrheit in Stadt- und Gemeinderat. Allerdings passen die Pläne des Stadtrates, das Auto aus Zürichs Strassen zu verbannen, durchaus auch nicht seiner ganzen Klientel. So musste auf Teile des Projekts „Brings uf d’Strass“, das Quartierstrassen ‚autofrei und bespielbar‘ machen wollte, wegen Widerstand der direkt betroffenen Anwohner verzichtet werden. Die Optik ist an und auf der Strasse halt eine andere als im Planungsbüro. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Behinderung des öffentlichen Verkehrs durch flächendeckendes Tempo 30, bei all denen, die sich Tag für Tag mit Bus und Tram zur Arbeit begeben, auf Gegenliebe stösst. 

Dass man vor den Problemen, die der Autoverkehr mit sich bringt, die Augen nicht verschliessen muss, sie aber völlig anders angehen kann, zeigt das Handlungsprogramm der Zürcher Kantonsregierung. Dieses setzt auf ‚Digitalisierung und Nachhaltigkeit‘. Das heisst, statt auf Verteufelung des Autos auf Optimierung des Zusammenspiels aller Verkehrsträger. Für mich tönt das innovativer und daher zukunftsträchtiger.